der sturz
man sagt ja immer, dass man im traum bei einem sturz immer kurz vor dem vermeintlichen aufprall aufwacht. ich bin heute erst nach dem aufprall aufgewacht.
der traum spielte in einem hochhaus. die wände waren aus nacktem, lackierten beton, den ich eigentlich sehr mag. er erinnert mich an ein gebäude in dem ich studiert habe, das K1 oder auch „kolleggebäude 1“ in stuttgart in dem die architekturfakultät der universität stuttgart beheimatet ist. ein gebäude das man schnell und einfach als hässlich bezeichnen mag, da es auf den ersten blick eben aussieht wie ein phantasieloser betonklotz, was es eigentlich auch ist, aber einen nach einer weile regelmässiger benutzung durchaus faszinieren kann. denn es ist ungeheuer effektiv und flexibel organisiert, haltbar und effektiv gebaut und unglaublich intelligent erschlossen. es funktioniert, es ist gut benutzbar und solche eigenschaften vermögen durchaus eine eigene schönheit zu entwickeln.
in einem hochhaus wie diesem hielt ich mich im traum also auf. das gebäude im traum strahlte ebenso wie das k2 in stuttgart solidität und geborgenheit aus, ich spürte keinerlei unwohlsein, im gegenteil, obwohl ich mich offenbar in einem höheren stock befand, fühlte ich mich sicher.
einzig ein paar dumpfe, sehr tieffrequente töne beunruhigten mich. und schwingungen. ganz leichte, leise schwingungen, wie man sie manchmal auf brücken wahrnimmt, wenn sie von einem lastwagen befahren werden, oder auf leichteren brücken, die man auch mit sprüngen zu eigenschwingungen anregen kann.
ich kann mich nicht erinnern was ich dort genau tat und obwohl mich die schwingungen bereits leicht beunruhigten, ich fuhr fort damit. irgendwann schaukelten sich die schwingungen bedrohlich in die höhe. das gebäude schaukelte merklich. erste fluchtgedanken reiften in mir. nicht nur im traum, auch in der realität oder besser in wachen phantasien legt man sich ja immer wieder flucht- und rettungspläne zurecht. so bilde ich mir immer ein, über ein eventuell auf mich zurasendes auto einfach drüberspringen zu können, so dass es unter mir hindurchrast und ich dahinter, unverletzt wieder lande. auf so eine fluchtmöglichket hoffte ich auch im traum. es zeichnete sich ab, dass das gebäude umkippen könnte und ich war relativ weit oben. ich stellte mir vor am umkippenden gebäude einfach hinabzulaufen, während es schräg und kurz vor dem einschlag stand. leider war mir diese flucht, erswchütternd realistisch, aber verwehrt. ich war in einem ziemlich kleinen raum eingeschlossen.
ich spürte, dass das haus begann umzustürzten. ich realisierte „das wars dann wohl“ und schloss mit dem leben ab. was für eine phrase, „mit dem leben abzuschliessen“. aber, auch das erschütternd realistisch, was bleibt einem anderes übrig, in einem kleinen abgeschlossenen raum, dessen wände kurz davor sind einen brutal zu zerquetschen? mein leben lief nicht vor meinem inneren auge ab. ich wartete einfach auf den nahen tod, fragte mich ob es schmerzen würde, ob und was ich spüren würde, wie lange mir noch bliebe. mir blieb nicht lange, es ging ziemlich schnell, plötzlich herrschte ruhe, absolute stille. kein schmerz. kein denken mehr, das ende.
ich wachte mit rasendem herzen auf. schockiert und pochend lag ich im bett, zu erschöpft und erschüttert um wirklich wach zu werden. dass ich das eben nur geträumt hatte vermochte mich nicht zu beruhigen, wie sonst wenn man erleichtert aufwacht und realisiert das die wirklichkeit, das echte leben, schön ist und weitergeht, die geborgenheit des eigenen bettes spürt und alles gut ist. mir war den ganzen tag über so, als hätte ich ein stück der traum-realität mit hinüber ins wahre leben mitgenommen, als sei aus dem traum etwas, ein gefühl, eine beklemmung hinübergeschwappt, als sei die beruhigende mauer die die beiden welten normalerweise trennt, löchrig geworden. trotzdem fürchte ich mich nicht vor dem schlaf, nur ein bisschen vor einem erneuten sturz.
(von felix schwenzel)
5 Comments »
RSS feed for comments on this post. TrackBack URI
Leave a comment
Powered by WordPress with Hiperminimalist Theme design by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds.
Valid XHTML and CSS.
kostenloser Counter

Kleine Welt. Das K1 kenne ich auch noch aus meiner “schwaebischen Phase” (mein bester Freund hat dort Architektur studiert und ich ihn ein paar mal besucht). Deine Beschreibung trifft dieses Gebaeude haargenau (mein Freund fuehlte sich dort auch sehr wohl).
Und diese Tagtraeumphantasie vom “uebers Auto springen und ueberleben” habe ich ebenfalls. (Bei mir ist es ein zackig exekutierter Dreifachsprung: zuerst auf die Kuehlerhaube, dann aufs Dach und von dort hinten runter. Die Kuehlerhaube ist dabei aus irgendwelchen Gruenden immer manilagruen.)
Und ja, heute hab ich einfach keine Lust zu arbeiten und poste lieber nutzlose Kommentare…
Comment by tomster — 12.09.2005 #
Ein beachtlicher Raumtraum! Einer dieser Art erwischte mich neulich nachts ebenfalls kalt im süssen Schlummer. Verlust meiner Augen auf sehr brutale Weise. Aber wann hat man das schonmal – einen von Miike Takashi koreografierten Traum. In Ihrem Falle, IX, war es dann eher Michelangelo Antonioni, a la »Zabriskie Point«.
Comment by m — 12.09.2005 #
Derartige Träume habe ich mindestens ein Mal pro Woche. Für meine Geistesstörung kann ich ja nun nix. Wenn ich aufwache ist das Herzklopfen teils so stark, dass es nicht nur laut zu hören ist, sondern mir praktisch die Brust und den Hals zerreißt. So fühlt es sich zumindest an.
Anyway: Bei einem Flugzeugabsturz empfehle ich kurz vor dem Aufprall im Flugzeug hoch zu springen. Oder in einem abstürzenden Lift. Probiert’s mal aus, das geht. Wirklich.
Comment by QWERTZwerker — 12.09.2005 #
och geträumt hab ich schon lange nicht mehr wirklich intensiv. immer mehr so kurze episoden, von denen alle tagelang scheinen, die aber 2 oder 3 folgen haben (in einer nacht)…
Comment by Wolfgang — 12.09.2005 #
@QWERTZwerker
Das mit dem Lift hochzuspringen bevor es abstuerzt ist völlig daneben. Du musst dir den Lift von aussen vorstellen, wie er runterprallt und dann musst du dich darin vorstellen und du wirst merken, dass die Geschwingigkeit, mit der du unten ankommst die selbe bleibt. daher würde es absolut keinen sinn machen, vorher hochzuspringen. Greets
Comment by MC — 05.23.2007 #